Erste Hilfe - Wie reagiert man richtig?

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Jährlich erinnert der internationale Tag der Ersten-Hilfe daran, wie wichtig die Nothilfe ist: zu Hause, bei Unfällen und bei Katastrophen. Viele Menschen haben besonders bei bewusstlosen Menschen ohne Atmung große Hemmungen erste Hilfe zu leisten. Was sie nicht wissen: Jede Hilfe ist besser als keine.
Am zweiten Samstag des Septembers ist der „internationale Tag der Ersten-Hilfe“. Mittlerweile beteiligen sich mehr als 150 Länder daran. Sein Ziel ist es die Öffentlichkeit daran zu erinnern, dass „Erste Hilfe“ wichtig und unverzichtbar ist.
Im Notfall richtig handeln
Viele Menschen haben eine große Scheu davor erste Hilfe zu leisten – besonders wenn der betroffene Mensch bewusstlos ist und nicht mehr atmet. In der Tat führen Laien nur in 15 Prozent der Fälle eine Wiederbelebung durch, bevor der Rettungsdienst eintrifft.
Wichtig: Wer nicht grob fahrlässig handelt, kann bei der ersten Hilfe NICHTS falsch machen!
Die ersten Schritte im Notfall
Erste Hilfe sollte niemand leisten, der dabei sein eigenes Leben gefährden würde. Daher gilt: Zuerst einen Überblick verschaffen und dann – wenn nötig – den Ort des Notfalls absichern. Das ist besonders sinnvoll, wenn Sie zum Beispiel einen Verkehrsunfall beobachtet haben. Binden Sie dann – wenn möglich – auch weitere Ersthelfer dabei mit ein, andere Verkehrsteilnehmer vor der Unglücksstelle zu warnen. Erst wenn keine Gefahr für Sie und andere besteht, sollten Sie sich dem Menschen in Not nähern.
Wenn möglich, das heißt, wenn genügend Ersthelfer vor Ort sind, könnte es Sinn machen, den betroffenen Menschen vor den Blicken Schaulustiger abzuschirmen, indem diese darum gebeten werden den Notfallort zu räumen. So vermeiden Sie gefährliche Situationen durch Gaffer. Jedoch sollte das gesundheitliche Wohl des in Not geratenen Menschen an erster Stelle stehen.
Auch bei Unfällen im Haushalt oder auf der Arbeit sollten Sie zuerst mögliche weitere Gefahren, wie zum Beispiel durch Maschinen, die sich in Betrieb befinden, abwehren. Beruhigen Sie die verletzte Person, wenn sie ansprechbar ist oder stellen Sie die Lebenszeichen fest, wenn nicht. Dann ist die Lagerung der Person in der stabilen Seitenlage angebracht. Diese wird weiter unten noch erklärt.
Notruf absetzen. Wenn der Notfallort so schnell wie möglich abgesichert ist und Überblick über die Situation herrscht, sollten Sie sofort den Notruf 112 wählen. Diese Nummer gilt europaweit. Um notfallgerecht handeln zu können, müssen Sie folgende Fragen der Rettungsleitstelle beantworten
WO ist etwas geschehen?
WAS genau ist geschehen?
WIE viele Menschen sind verletzt?
WELCHE Verletzungen liegen vor?
WER meldet den Unfall?
Legen Sie nicht auf, wenn Sie alle Fragen beantwortet haben und bleiben Sie für die Rettungsleitstelle verfügbar, bis der Rettungswagen eintrifft. Müssen Sie zum Beispiel eine Wiederbelebung (Reanimation) einleiten, führt die Rettungsleitstelle Sie über den Lautsprecher Ihres Mobiltelefons durch die einzelnen Schritte. Aber auch bei anderen fälligen Erste-Hilfe-Maßnahmen erhalten Sie die Unterstützung der Leitstelle.
Die häufigsten Notfälle
Erste Hilfe kann und muss jeder leisten. Wird sie nicht geleistet, spricht man von unterlassener Hilfeleistung, die mit Freiheits- oder Geldstrafe geahndet wird. Sie umfasst alle Maßnahmen die jeder Mensch auch ohne medizinische Vorkenntnisse durchführen kann. Auf Ersthelfer können folgende drei häufigsten Notfallsituationen zukommen
- verletzte, ansprechbare Person
- bewusstlose Person mit stabiler Atmung
- bewusstlose Person ohne Atmung
Erste Hilfe rettet Leben und kann vor potentiellen gesundheitlichen Folgen, wie zum Beispiel durch Sauerstoffmangel, schützen. Dabei zählt es jede Sekunde zu überbrücken, bis professionelle medizinische Hilfe eintrifft.
Was viele nicht wissen: JEDE Hilfe ist besser als keine!
Die wichtigsten Maßnahmen
Für die verschiedenen Erste-Hilfe-Situationen sind unterschiedliche Maßnahmen notwendig.
Verletzte, ansprechbare Person: Rettungswagen rufen und Erstversorgung
Erste Hilfe zu leisten kann immer mal wieder nötig werden. Zu den gewöhnlichsten Vorfällen zählen zum Beispiel Haushaltsunfälle. Das kann unter anderem ein Sturz von der Treppe oder von einer Leiter sein. Ist die Person bei Bewusstsein und sind Atmung und Kreislauf stabil, reicht es der Leitstelle unter 112 die Situation und die Symptome des verletzten Menschen zu schildern. Wichtig ist es hier, die Person zu beruhigen und sich um sie zu kümmern, bis der Rettungswagen eintrifft.
Bewusstlose Person mit stabiler Atmung: Stabile Seitenlage
Finden Sie einen bewusstlosen Menschen auf, der normal atmet aber nicht auf laute Ansprache oder Schütteln an den Schultern reagiert, dann bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage:
- Knien Sie sich neben den betroffenen Menschen, bringen Sie ihn in Rückenlage und strecken Sie dessen Beine aus.
- Winkeln Sie den Arm der Ihnen am nächsten liegt in Kopfrichtung des Verletzten an, die Handfläche zeigt dabei zum Himmel.
- Greifen Sie nun den anderen Arm und legen Sie ihn quer über die Brust der bewusstlosen Person, dabei berührt die Handoberfläche die Wange.
- Winkeln Sie nun das hintere Bein an und ziehen Sie den Betroffenen an Arm und Bein über dessen gesamte Körperseite zu sich.
- Richten Sie den Oberschenkel des nun obenliegenden Beins in einem rechten Winkel zur Hüfte aus.
- Legen Sie den Kopf der Person nach hinten in den Nacken und öffnen Sie dessen Mund.
- Wählen Sie nun den Notruf!
- Kontrollieren Sie wiederholt die Atmung des Betroffenen, bis die Rettungskräfte eintreffen. Sollten Sie plötzlich keine Atmung mehr wahrnehmen, gehen Sie über zur Reanimation.
Gut zu wissen: So überprüft man die Atmung
Legen Sie eine Hand auf die Stirn und die andere auf das Kinn der bewusstlosen Person und führen Sie so den Kopf in den Nacken. Führen Sie nun Ihr Ohr über Nase und Brust und behalten Sie dabei Brust und Bauch für fünf bis 10 Sekunden im Blick.
Bewusstlose Person ohne Atmung: Reanimation
Anders sieht es aus, wenn die bewusstlose Person nicht mehr atmet oder nach Luft schnappt. Dies weist darauf hin, dass die Pumpfunktion des Herzens ausgesetzt hat oder nachlässt. Dann drängt die Zeit! Denn, pumpt das Herz kein Blut mehr durch den Körper, ist ein Kreislaufstillstand die Folge. Um dies zu verhindern, muss sofort mit der Herz-Druck-Massageund der Beatmung begonnen werden.
Ist Ihnen die Beatmung über Nase oder Mund des in Not geratenen Menschen nicht möglich, weil Sie sich diese nicht zutrauen oder sich selber eventuell in Gefahr bringen würden, helfen Sie auch, wenn Sie nur drücken. Wenn Sie zusätzlich beatmen, dann erfolgt die Reanimation im 30 x 2 – Rhythmus.
Herzdruckmassage und Beatmung
Die Herzdruckmassage bei Erwachsenen erfolgt im 30 x 2 Rhythmus mit der Beatmung. Das bedeutet: 30 x Drücken, 2 x Beatmen:
- Bringen Sie den betroffenen Menschen in Rückenlage
- Knien Sie sich neben die Person
- Platzieren Sie den Ballen einer Hand auf dem unteren Drittel des Brustbeins und setzen Sie den Ballen der anderen mit gestrecktem Arm auf die Erste.
- Drücken Sie die Brust nun mit beiden Händen 30 Mal in einer Frequenz von 100- bis 120 pro Minute senkrecht von oben nach unten. Es ist sehr wichtig, dass Sie den Brustkorb dabei mindestens sechs Zentimeter tief eindrücken, indem Sie das Gewicht nach vorne verlagern.
- Die Lieder „Staying alive“ oder „Rock your Body“ geben einen guten Rhythmus vor.
- Neigen Sie nun den Kopf des Betroffenen nach hinten, sodass sich das Kinn anhebt. Verschließen Sie mit Daumen und Zeigefinger seine Nase und öffnen Sie den Mund des Betroffenen. Atmen Sie normal tief ein und blasen Sie die Luft danach in den Mund des Bewusstlosen. Sein Brustkorb sollte sich dabei sichtbar anheben. Wiederholen Sie die Beatmung ein zweites Mal und setzen Sie dann die Herzdruckmassage fort, solange bis die Atmung wiedereinsetzt oder bis der Notarzt eintrifft.
- Reanimation ist anstrengend. Lösen Sie sich mit Mit-Ersthelfen alle zwei Minuten ab.
- Führen Sie die Herzdruckmassage solange durch bis der Rettungswagen eingetroffen ist.
Der Defibrillator wird zur Reanimation eingesetzt, wenn bei einem Menschen plötzlich starke Herzrhythmusstörungen wie zum Beispiel Kammerflimmern auftreten. Diese stehen mittlerweile an vielen öffentlichen Plätzen zur Verfügung. Dabei stellen Sie das Gerät neben dem bewusstlosen Menschen auf. Sobald sie es einschalten, erhalten Sie Sprachanweisungen zum Vorgehen. Dabei wird Ihnen erklärt, wie Sie die Kleb-Elektroden anbringen müssen, damit das Gerät den Herzrhythmus analysieren und prüfen kann, ob ein Stromstoß nötig ist. Wenn ja, dann lösen Sie diesen über einen Knopf aus. Stellen Sie vorher sicher, dass weder Sie noch ein anderer Mensch die Person am Boden berührt! Gehen Sie sofort nach dem Stromstoß zur Herzdruckmassage über. Führen Sie diese durch, bis die Person wieder selbstständig atmet oder die medizinische Rettung eintrifft.
Wissen aus der Forschung: Die Überlebenschancen bei Herzstillstand steigen um das Zwei- bis Dreifache, wenn Notfallzeugen erste Hilfe
Erste Hilfe bei Kindern
Kinder werden mit dem Alter mobiler und neugieriger. Dabei können sie Gefahren häufig noch nicht so gut einschätzen wie Erwachsene. Stürze auf den Kopf oder Schürfwunden an den Knien sind dann an der Tagesordnung. Wenn dann mal was passiert, hilft es die Ruhe zu bewahren und zu wissen, wie man erste Hilfe bei Kindern leistet:
- Nach einem Sturz auf den Kopf: Beulen kühlen, Kind beobachten. Denn Alarmzeichen wie Erbrechen, plötzliche Müdigkeit oder Kopfschmerzen können auch Tage danach noch auftreten. Dann sollten Sie sofort eine ärztliche Praxis aufsuchen!
- Nach einer Verbrühung: Betroffene Stellen maximal zehn Minuten unter laufendem Wasser kühlen. Verbrennungen sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Kleinere oberflächliche Verbrühungen behandelt der Kinderarzt oder die Kinderärztin, bei größeren müssen Sie sofort in die Klinik.
- bei Verdacht auf Vergiftung, dass das Kind etwa Putzmittel oder Tabletten geschluckt hat: Arzt oder Giftnotrufzentrale anrufen! Mögliche Symptome können brennende Lippen sein, wenn das Kind Chemikalien geschluckt hat. Bewahren Sie eventuell Erbrochenes oder Pflanzenteile, von denen das Kind etwas gegessen haben könnte auf und geben Sie dies dem Notarzt mit.
Immer gut: Frischen Sie Ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig alle zwei Jahre auf!
Veröffentlicht am: 13.09.2021
Letzte Aktualisierung: 27.12.2026
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Quellen
[1] Malteser Hilfsdienst e. V.: Der Internationale Tag der Ersten Hilfe. https://www.malteser.de/aware/hilfreich/ein-tag-fuer-die-erste-hilfe.html
[2] DRK-Landesverband Brandenburg e. V. Stabile Seitenlage. https://www.drk-brandenburg.de/erstehilfe/kleiner-lebensretter/stabile-seitenlage/
[3] Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich. Wiederbelebung mit Defibrillator. https://www.johanniter.at/kurse-ausbildungen/erste-hilfe-tipps/reanimation#c4657
[4] Stiftung Gesundheitswissen. Erste Hilfe: Im Notfall richtig handeln. https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/notfall-erste-hilfe/erste-hilfe-im-notfall-richtig-handeln
[5] Malteser Hilfsdienst e. V.: Erste Hilfe für Kinder – so geht’s. https://www.malteser.de/aware/hilfreich/erste-hilfe-fuer-babys-und-kinder-die-wichtigsten-tipps.html
[6] Deutsches Rotes Kreuz Notruf 112 https://www.drk.de/hilfe-in-deutschland/erste-hilfe/notruf-112/
[7] Deutsches Rotes Kreuz Herz-Lungen-Wiederbelebung https://www.drk.de/hilfe-in-deutschland/erste-hilfe/herz-lungen-wiederbelebung/
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