Juckreiz - Ursachen und Behandlung

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Juckreiz (Pruritus) ist ein Signal des Körpers, dass etwas nicht stimmt. Das kann zum Beispiel eine Hauterkrankung sein oder ein Leiden, das sich im Inneren des Körpers verbirgt und auf diese Weise äußert. Manchmal ist das Symptom auch nur einem Insektenstich oder einer Allergie geschuldet. Neben einem akuten, meist schnell abklingenden Pruritus gibt es einen chronischen, der mehr als sechs Wochen anhält. Kratzen hilft nicht wirklich gegen Juckreiz, sondern verstärkt ihn eher noch. Das Symptom tritt altersunabhängig auf. Besteht der Pruritus bereits längere Zeit, sollte der Betroffene einen Arzt aufsuchen. Das gilt auch, wenn die Beschwerden den ganzen Körper einnehmen und sich Fieber und Müdigkeit hinzugesellen. Je nach Ursache erfolgt die Behandlung durch einen Facharzt. Zudem gibt es hilfreiche Tipps, um den Pruritus zu lindern.
Wie äußert sich Juckreiz?
Juckreiz kann an jeder Stelle des Körpers auftreten. Mediziner unterscheiden zwischen einem akuten Pruritus und der chronischen Form, die länger als sechs Wochen anhält. Wo genau es juckt, hängt davon ab, welche Ursache dem Juckreiz zugrunde liegt. Zwar trägt Kratzen dazu bei, das unangenehme Gefühl zu lindern, allerdings nicht dauerhaft. Der Grund: Da sich durch die händische Manipulation der juckenden Stelle Mastzellen in der Haut anreichern, die das Juckreiz fördernde Gewebshormon Histamin freisetzen, geraten die Betroffenen in eine Spirale aus Juckreiz und Kratzen. Insbesondere chronischer Juckreiz kann unerträgliche Formen annehmen, vor allem, wenn er auch nachts auftritt und den Schlaf massiv beeinträchtigt. In diesem Fall ist die Lebensqualität stark vermindert.
Kratzen kann aber auch dazu führen, dass die Haut gereizt oder verletzt wird, sodass Keime eindringen und das betreffende Areal sich entzündet. Oftmals ändert sich dann das Aussehen der gekratzten Stelle: Sie blutet, wird rot, verkrustet oder verdickt sich. Manchmal verfärbt sie sich auch dunkel und es bleiben Flecken, Knoten oder Narben zurück.
Pruritus tritt bei Menschen jeden Alters auf – vom Kleinkind bis zu Senioren. In Deutschland und Österreich sind etwa 14-15 Prozent der Bevölkerung von chronischem Juckreiz betroffen. Frauen scheinen häufiger betroffen zu sein.
Was verursacht Juckreiz?
Hinter Juckreiz können zahlreiche Ursachen stecken. Während einige harmloser Natur sind, können andere das Spiegelbild ernsthafter Erkrankungen aus dem internistischen, neurologischen, onkologischen oder psychiatrischen Formenkreis sein. Dennoch kann es vorkommen, dass Ärzte keinen konkreten Auslöser finden können. Manchmal lassen sich bei ein und derselben Person auch verschiedene Ursachen nachweisen.

Insektenstiche
Mückenstiche sind in aller Regel ungefährlich, lösen aber das unwiderstehliche Verlangen aus, sich aufgrund des Juckreizes wieder und wieder an der betreffenden Stelle zu kratzen. Gleiches gilt für Stiche von Flöhen, Läusen, Bettwanzen und Pferdebremsen.
Trockene Haut
Trockene Haut ist häufig ein Auslöser für Pruritus. Ein Grund kann sein, dass die betroffene Person sich oft duscht oder badet und so der Haut auf Dauer Feuchtigkeit entzieht. Auch ein Mangel an Pflege etwa mit Lotionen oder Cremes, die der Haut Feuchtigkeit zuführen, kann zu Juckreiz führen. Das Alter spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, da bereits in unseren Dreißigern die Funktion der Talg- und Schweißdrüsen nachlässt, sodass unsere Haut trockener wird. Dies ist der Grund, warum besonders ältere Menschen häufig unter chronischem Juckreiz leiden.
Hauterkrankungen
Zu den Hauterkrankungen, die typischerweise mit Juckreiz verbunden sind, gehören Schuppenflechte (Psoriasis) und Neurodermitis. Allerdings kann auch eine Nesselsucht (Urtikaria) oder ein Ekzem das lästige Symptom auslösen.
Allergien
Es gibt verschiedene Substanzen, die eine Allergie und damit Juckreiz auslösen können, darunter Latex und Nickel. Doch auch bestimmte Stoffe in Kosmetikartikeln und Reinigungsmitteln können einen quälenden Pruritus hervorrufen.
Infektionskrankheiten
Viele Infektionskrankheiten gehen mit Juckreiz einher. Dazu gehören zum Beispiel Infektionen mit Pilzen sowie dem Herpes- oder dem Herpes-zoster-Virus (Gürtelrose). Ein Befall mit Parasiten wie Krätzmilben oder Läusen verleitet ebenfalls dazu, sich heftig zu kratzen.
Schwangerschaft
Frauen, die ein Kind erwarten, leiden manchmal unter einem starken Juckreiz. Der Grund kann eine sogenannte Schwangerschaftsdermatose sein, die ausschließlich während der Schwangerschaft und in der Zeit nach der Geburt auftritt. Es gibt verschiedene Formen der Schwangerschaftsdermatose, doch ist allen gemeinsam, dass sich dabei die oberen Hautschichten entzünden.
Organ- und Stoffwechselerkrankungen
Eine chronische Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) kann genauso einen dauerhaften Pruritus hervorrufen wie Leber- oder Gallenerkrankungen. Anfällig für Juckreiz sind zudem zuckerkranke Menschen mit einem Diabetes mellitus oder einer Schilddrüsenüberfunktion.
Tumorerkrankungen
Bei bestimmten Tumorarten neigen die Betroffenen zu Juckreiz. Dies gilt sowohl für Blutkrebs wie zum Beispiel Leukämien und Lymphomen als auch für Leberkrebs.
Neurologische und psychische Erkrankungen
Juckreiz ist oftmals eine Begleiterscheinung von Erkrankungen des peripheren Nervensystems (PNS). Dieses umfasst alle Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark, die zusammen den zentralen Anteil des Nervensystems (ZNS) bilden. Ein Beispiel für eine Erkrankung des PNS ist die Polyneuropathie. Dabei sind die Nerven der betroffenen Körperteile nicht mehr in der Lage, Reize weiterzuleiten. Das kann sowohl zu eingeschränkter Empfindung als auch zu Schmerzen in Armen und Beinen führen. Polyneuropathie tritt vor allem als Folge eines fortgeschrittenen Diabetes (Zuckerkrankheit) oder chronischen Alkoholmissbrauchs auf.
Auch wenn die Psyche leidet wie beispielsweise bei einer Zwangsstörung, chronischem Stress oder Depressionen, kann Pruritus die Folge sein.
Medikamente
Medikamente haben fast immer Nebenwirkungen – mitunter gehört auch Juckreiz dazu. Zu den Wirkstoffen, die einen Pruritus auslösen können, zählen unter anderem Antibiotika, Antidepressiva (Mittel gegen Depressionen) und bestimmte Schmerzmittel (beispielsweise Opioide), die verschreibungspflichtig sind.
„Aquagener“ Pruritus
Eine seltene Form des Juckreizes ist der „aquagene“ Pruritus, der sich einstellen kann, nachdem die Haut mit Wasser in Berührung gekommen ist. Die betroffenen Personen berichten von einem teilweise unerträglichen Juckreiz sowie einem brennenden, stechenden oder kribbelndem Gefühl auf der Haut. Die Beschwerden machen sich vor allem am Rumpf sowie an den Oberarmen- und Oberschenkeln bemerkbar. Aquagener Pruritus ist zum Beispiel ein häufiges Symptom der Polycythaemia vera, einer seltenen Bluterkrankung.
Wann zum Arzt bei Juckreiz?
Stellt sich der Juckreiz nach einer allergischen Episode oder einem Insektenstich ein, klingt er in der Regel rasch von selbst wieder ab. Notwendig ist ein Arztbesuch dann, wenn der Pruritus
- schon längere Zeit anhält,
- den ganzen Körper betrifft,
- die Haut sich verändert hat oder
- von ständiger Müdigkeit und Fieber begleitet wird.
Wenn weitere schwerwiegende Symptome wie Schwindel, Bewusstseinsstörungen, Atemnot oder Herz-Kreislaufbeschwerden hinzukommen, kann dies auf eine starke allergische Reaktion hinweisen, die zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock führen kann. In diesen Fällen sollte umgehend ein Notarzt verständigt werden.
Wie wird Juckreiz behandelt?
Um herauszufinden, was das lästige Jucken verursacht, fragt der Mediziner zunächst nach den Symptomen, wie sie sich äußern und wie lange sie bereits bestehen. Diese sogenannte Anamnese bietet oftmals erste Hinweis auf eine mögliche Ursache. Es folgt eine körperliche Untersuchung der juckenden Areale. In manchen Fällen ist es zusätzlich erforderlich, eine Blutprobe und/oder einen Hautabstrich zu nehmen.
Um den Juckreiz in den Griff zu bekommen, ist es entscheidend, seine Ursache zu behandeln und nicht das Symptom. Ist der Auslöser zum Beispiel eine Hauterkrankung, gehört die betreffende Person in die Hände eines Hautarztes. Für Nieren- oder Leberprobleme sowie Erkrankungen des Stoffwechsels ist in der Regel ein Internist zuständig. Steht der Verdacht auf ein neurologisches, psychisches oder onkologisches Problem im Raum, sollte die Überweisung an einen Neurologen, Psychiater oder Krebsmediziner erfolgen. Schwangere sind am besten bei ihrem Frauenarzt oder ihrer Frauenärztin aufgehoben.
Um kurzfristig Abhilfe gegen den Juckreiz zu schaffen, können auch Medikamente angewendet werden wie Glukokortikoide (Kortison), Antihistaminika oder juckreizstillende Externa (Mittel zur äußeren Anwendung auf der Haut). Trotzdem muss natürlich die grundsätzliche Ursache behandelt werden.
Was können Sie selbst bei Juckreiz tun?
Ob akut oder chronisch: Juckreiz kann ausgesprochen quälend sein. Allerdings gibt es hilfreiche Tipps, um die lästigen Beschwerden zu lindern:
- Sorgen Sie dafür, dass die Raumluft ausreichend befeuchtet ist. Dies verhindert, dass die Haut austrocknet, vor allem in der kalten Jahreszeit. Nutzen Sie ein Hygrometer, um die Luftfeuchtigkeit zu messen. Diese sollte stets 40 bis 60 Prozent betragen.
- Verzichten Sie darauf, jeden Tag zu duschen oder zu baden und wählen Sie eine nicht zu heiße Wassertemperatur. Beides strapaziert die Haut und begünstigt dadurch Juckreiz.
- Pflegen Sie Ihre Haut nach jeder Reinigung. Bewährt haben sich Cremes und Lotionen, die rückfettend sind und den Säureschutzmantel der Haut stabilisieren.
- Verwenden Sie ausschließlich milde Kosmetikartikel und Reinigungsmittel, um Allergien entgegenzuwirken.
- Tragen Sie wollfreie Unterwäsche und Oberbekleidung, um die Haut nicht mechanisch zu reizen.
- Nutzen Sie Entspannungstechniken wie Yoga , Meditation oder Progressive Muskelentspannung , um Stress abzubauen und den inneren Fokus weg vom Juckreiz zu lenken.
Veröffentlicht am: 24.02.2025
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Quellen
[1] Journal of the German Society of Dermatology (JDDG). S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus, Stand 2022.
https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-048l_S2k_Diagnostik-Therapie-des-chronischen-Pruritus_2022-09.pdf
[2] gesund.bund.de. Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit. Chronischer Juckreiz (Pruritus). https://gesund.bund.de/chronischer-juckreiz-pruritus
[3] Pschyrembel. Quälender Juckreiz. https://www.pschyrembel.de/Qu%C3%A4lender%20Juckreiz/B0QGE
[4] Amboss. Pruritus. https://www.amboss.com/de/wissen/pruritus/
[5] Neurologen und Psychiater im Netz. Was ist Polyneuropathie (Diabetische Polyneuropathie)? https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/polyneuropathie/
[6] Springer Medizin. Schwangerschatfsdermatosen. https://www.springermedizin.de/emedpedia/braun-falcos-dermatologie-venerologie-und-allergologie/schwangerschaftsdermatosen?epediaDoi=10.1007%2F978-3-662-49546-9_81
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