Orthese – Mobilität wiederherstellen, erhalten und fördern

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Zusammenfassung
Orthesen sind orthopädische Hilfsmittel, die vielseitig bei Erkrankungen des Bewegungsapparates eingesetzt werden. Je nach Behandlungsziel können Person, die zum Beispiel Fehlstellungen haben oder in ihrer Beweglichkeit aufgrund einer Verletzung eingeschränkt sind, mithilfe einer Orthese zu mehr Mobilität gelangen. Dabei übernehmen diese Hilfsmittel vor allem eine entlastende, stabilisierende und die Bewegung führende Funktion. In manchen Fällen dienen sie auch dazu, übermäßige oder schädigende Bewegungen zu minimieren oder ganz zu stoppen. Sie fixieren das betreffende Gelenk. Sind Knochen oder Gelenke krankheitsbedingt deformiert, können Orthesen diese Deformation bis zu einem gewissen Grad sogar korrigieren. Ihr Funktionsspektrum ist ebenso vielfältig wie die verfügbaren Formen an Orthesen. Sie werden in der Regel individuell angepasst und sind damit Einzelstücke.
Was ist eine Orthese?
Der Begriff Orthese leitet sich vom griechischen Wort orthos ab, was „aufrecht“ bedeutet. Orthesen sind medizinische Hilfsmittel oder Apparaturen, die vor allem im Fachbereich der Orthopädie zum Einsatz kommen. Sie dienen insbesondere der Entlastung, Stabilisierung und Führung von betroffenen Teilen des Bewegungsapparates. Dazu zählen die Strukturen der Arme und Beine, insbesondere die Gelenke und Muskeln, sowie die Wirbelsäule und größere Abschnitte des Körpers wie der Rumpf oder das Becken. Mit ihnen lassen sich Gelenke zum Beispiel auch ruhigstellen oder Deformationenkorrigieren.
Welche Arten von Orthesen gibt es?
Je nach dem, welche Beschwerden oder Erkrankungen vorliegen, verordnen Ärzte dazu passende Orthesen. So gibt es für alle Bereiche des Bewegungsapparates eine Vielzahl verschiedener Orthese-Formen. Sie unterscheiden sich zudem im Hinblick auf die Funktion oder das Behandlungsziel, das mit der Orthese verfolgt wird. Allen gemein ist, dass sie individuell zum Beispiel von Orthopädietechnikern angefertigt bzw. angepasst werden.

Abhängig davon, welches Ziel mit der Therapie verfolgt wird, unterscheiden Ärzte zwischen:
- aktiven bzw. funktionellen Orthesen: haben Gelenke und sind beweglich (unterstützen die Bewegung)
- passiven bzw. starren Orthesen: haben keine Gelenke und sind unbeweglich (sollen ruhigstellen).
Je nach Körperteil, für das die Orthese gedacht ist, gibt es verschiedene Formen von Orthesen, und zwar:
- Armorthesen (für den gesamten Arm oder nur für die Schulter oder den Ellenbogen)
- Hand- oder Handgelenkorthesen
- Fingerorthesen
- Hüftorthesen
- Beinorthesen (für das gesamte Bein oder nur den Unterschenkel oder das Knie)
- Sprunggelenkorthesen
- Rumpforthesen (z. B. Leibbinden, Mieder oder Korsetts)
- Zervikalorthesen (insbesondere für die Halswirbelsäule, z. B. die Halskrause als starre Orthese)

Die einfachsten Formen sind zum Beispiel Einlagen für die Schuhe oder spezielle Bandagen. Daneben gibt es noch Schienen (aus Metall oder Kunststoff) mit Riemen oder Hülsen, die Gelenke oder ganze Glieder umspannen.
Exoskelette sind eine spezielle Form der Orthesen, die eingesetzt werden, wenn große Teile oder der gesamte Körper in der Bewegung eingeschränkt sind, wie zum Beispiel bei einer Querschnittlähmung.
Wann wird eine Orthese eingesetzt?
Besonders häufig verschreiben Ärzte Orthesen zur Behandlung von Beschwerden am Knie-, Fuß-, Schulter- und Handgelenk. Aber auch die Finger, die Hüfte oder die Wirbelsäule sind häufiger betroffen. Ursachen für diese Beschwerden sind beispielsweise
• Verletzungen und Brüche (Frakturen) nach Unfällen,
• Verschleiß (z. B. durch degenerative Erkrankungen wie Arthrose) und
• Deformitäten (z. B. durch dauerhafte Fehlbelastung oder chronische Erkrankungen wie Skoliose, Gicht, Diabetes mellitus).
Orthesen kommen auch bei der Behandlung von chronischen Erkrankungen zum Einsatz. Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus verursachen unter anderem Schäden an den Nerven (Polyneuropathien), was zu Missempfindungen, Fehlbelastungen und letztlich zu Deformitäten vor allem an den Extremitäten führen kann. Diese lassen sich mit Orthesen korrigieren. Auch bei anderen Erkrankungen wie der Zerebralparese werden häufig Orthesen eingesetzt. Hier liegt eine Schädigung des Gehirns vor, die zu einer Funktionsstörung des muskulo-skeletalen Systems führt. Typisch sind hierbei Spastiken und Lähmungen, denen Orthesen entgegenwirken können.
Erkrankungen, die eine Störung in der Knochenstruktur verursachen wie Osteoporose, führen häufig auch dazu, dass die Beweglichkeit von Betroffenen beeinträchtigt ist. Mit entsprechenden Orthesen ist es möglich, diese Einschränkungen zu reduzieren.
Schon leichte Abweichungen im anatomischen Aufbau der verschiedenen Strukturen des Bewegungsapparates können die Behandlung mit einer Orthese erforderlich machen. Dazu zählen unterschiedlich lange Beine oder angeborene sowie im Verlauf des Lebens erworbene Fehlbildungen oder -haltungen.
Schwere Erkrankungen des Nervensystems wie ein Schlaganfall oder eine Querschnittslähmung haben zumeist starke körperliche Beeinträchtigungen zur Folge, die entweder Teile oder den gesamten Körper betreffen. Sie lassen sich in der Regel nicht heilen, aber mit unterschiedlichsten Orthesen gibt es auch hierfür Versorgungsoptionen, mit deren Hilfe den Betroffenen mehr Beweglichkeit zurückgegeben werden kann.
Orthesen auch bei einfachen Schmerzen
Schmerzen sind häufig eine Begleiterscheinung von Erkrankungen, die den Bewegungsapparat schädigen. Manchmal treten sie bei Betroffenen stark und andauernd auf, ohne dass eine schwerwiegende Verletzung oder Erkrankung vorliegt. Oft verursacht die einseitige Belastung durch die berufliche Tätigkeit oder den Sport auf Dauer Beschwerden. Hier können Orthesen helfen, die überlasteten Bereiche zu stützen und zu entlasten. Das wiederum lindert die Symptome und reduziert das Risiko für sich entwickelnde Fehlstellungen. Allerdings reicht eine Orthese in den meisten Fällen nicht aus, da sie nur das Symptom behandelt, nicht jedoch die Ursache.
Was bewirken Orthesen?
Orthesen wirken je nach ihrer Funktion unterschiedlich auf den Körper und die betreffenden Strukturen. Funktionelle Ortheseentlasten, stützen, stabilisieren, mobilisieren und führen beispielsweise Gelenke, indem sie
- die fehlstehenden, knöchernen Strukturen in Position bringen und halten,
- angespannte Muskeln lockern und Sehnen strecken,
- anatomische Unterschiede ausgleichen und
- punktuelle Belastungen stärker verteilen und Krafteinwirkungen umleiten.
Starre Orthesen fixieren und immobilisieren Gelenke hingegen. Das kann zum Beispiel nach Operationen notwendig sein, um den Heilungsprozess zu fördern.
Was Sie bei Beschwerden durch eine Orthese tun können
Eine Orthese sollte immer exakt passen, andernfalls kann es zu Funktionsstörungen und Beschwerden kommen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Orthese nicht ordnungsgemäß sitzt oder Sie davon Schmerzen bekommen, sprechen Sie unverzüglich mit Ihrem Arzt oder dem Orthopädietechniker. Unter Umständen muss die Orthese nachgestellt oder eine neue angefertigt werden.
Veröffentlicht am: 08.10.2024
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Quellen
[1] Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). Stützverbände bei Frakturen und Verletzungen. AWMF-Registernr. 012-009 (Stand: März 2019) https://register.awmf.org/assets/guidelines/012-009l_S1_Stuetzverbaende-Frakturen-Verletzungen_2019-03_01.pdf
[2] S2e-Leitlinie der Deutschsprachigen Medizinischen Gesellschaft für Paraplegie e.V. Rehabilitation der unteren Extremität, der Steh- und Gehfunktion bei Menschen mit Querschnittlähmung. AWMF-Registernr. 179-009 (Stand: August 2018, in Überarbeitung) https://register.awmf.org/assets/guidelines/179-009l_S2e_Reha-untere-Extremitaet-Steh-Gehfunktion-Querschnittlaehmung_2019-09-verlaengert.pdf
[3] Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe. Orthesen können den Alltag erleichtern. https://www.schlaganfall-hilfe.de/de/fuer-betroffene/alltag-mit-schlaganfall/hilfsmittel-und-wohnraumanpassung/orthesen
[4] Pschyrembel Online. Orthese. https://www.pschyrembel.de/Orthese/K0FU0
[5] Pschyrembel Online. Rumpforthese. https://www.pschyrembel.de/Rumpforthese/K010K
[6] Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV). Querschnittlähmung – Qualitätsstandard in der gesetzlichen Unfallversicherung. Ausgabe 2020. https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/3935
[7] von der Mühlen, M. & Keller, C. Pflege konkret – Chirurgie, Orthopädie, Urologie. 5. Auflage, Urban & Fischer, 2014
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