Physikalische Therapie – vielseitige Behandlungsmöglichkeiten

Schnelleinstieg in unsere Themen
Zusammenfassung
Die physikalische Therapie ist ein Überbegriff für unterschiedliche Behandlungsmethoden, die äußerliche Reize einsetzen, um im Körper natürliche Heilprozesse anzustoßen. Eingeschlossen sind dabei Wärme- und Kältetherapien, Massagen oder die Elektrotherapie. Die physikalische Therapie ist ein Teilgebiet der Physiotherapie und in der Regel frei von Risiken oder Nebenwirkungen. Allerdings sollten Sie mit Ihrem Therapeuten vor einer Behandlung gewisse Einschränkungen abklären und abwägen, ob und welche Therapieform geeignet ist.
Was ist eine physikalische Therapie?
Die physikalische Therapie stellt ein Teilgebiet der Physiotherapie dar. Neben Physiotherapeuten ist es auch Masseuren oder medizinischen Bademeistern erlaubt, die verschiedenen Formen der physikalischen Therapie einzusetzen. Diese sind häufig in ein größeres Behandlungskonzept eingebaut, zum Beispiel die Lymphdrainage nach einer operativen Krebsbehandlung. Dabei reicht das Erfahrungsspektrum im Bereich einzelner Methoden Jahrhunderte zurück und alle Anwendungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie
- gut verträglich,
- arm an Nebenwirkungen und Risiken und
- wissenschaftlich anerkannt sind.
Die Methoden der physikalischen Therapie sind sehr unterschiedlich. Je nach Behandlungsgrund setzen Therapeuten physikalische Reize wie Kälte, Wärme, Ultraschall, Druck, Zug, körperliche Übungen oder Strom ein, um im Körper natürliche Prozesse anzuregen. Diese sollen dabei helfen, die Durchblutung anzuregen, Funktionsstörungen des Bewegungsapparates zu beheben oder Schmerzen zu lindern. Formen der physikalischen Therapie sind
- Thermo- und Hydrotherapie (also Wärme- oder Kältetherapie, Wassertherapie),
- Mechanische Therapie, darunter spezielle Formen der Massage wie Lymphdrainage, Fußreflexzonenmassage oder Wassermassage; manuelle Therapie (inkl. Traktionsbehandlung)
- Elektrotherapie,
- Lichttherapie,
- Aerosol- oder Inhalationstherapie
Wann führt man eine physikalische Therapie durch?

Eine physikalische Therapie verordnen Ärzte in der Regel, wenn Menschen in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind, starke Muskelschmerzen beziehungsweise -verspannungen haben oder mit Arthrose leben. Daneben gibt es noch einige andere Erkrankungen oder körperliche Beschwerden, für die eine oder mehrere physikalische Therapien infrage kommen. Das Ziel einer physikalischen Therapie ist es:
- Schmerzen zu lindern
- Erkrankungen oder einer Verschlechterung dieser vorzubeugen
- Die Beweglichkeit von Gelenken, die Muskelkraft oder die Belastbarkeit zu erhalten oder zu verbessern
- Die Durchblutung zu fördern
- Die Reaktionsfähigkeit von Muskeln oder Nerven zu verbessern
Was wird bei einer physikalischen Therapie gemacht?
Alle physikalischen Therapien unterscheiden sich sehr in Bezug auf die angewendeten Techniken und Geräte.
Die Thermotherapie versteht sich als Kälte- oder Wärmeanwendung. Mit beiden Verfahren lassen sich Schmerzen lindern. Wärmeanwendungen, zum Beispiel in Form einer Wärmflasche, Ultraschall, Saunagängen, Wärmepackungen oder -salben, weiten die Gefäße und fördern so die Durchblutung. Stoffwechselabbauprodukte werden dadurch schneller abtransportiert, zudem zirkulieren die Botenstoffe des Immunsystems stärker durch den Körper. Wärmeanwendungen lindern den Schmerz verspannter Muskeln, während der Menstruation, am Bewegungsapparat und lockern zudem verklebtes oder vernarbtes Gewebe. Eine Wärmeanwendung lockert die Muskulatur vor, wenn sie im Nachgang mit einer Massage kombiniert wird.
Kälte hingegen verengt die Blutgefäße und verringert damit die Durchblutung. Dies wirkt gegen Schwellungen, die nach Verstauchungen oder Prellungen auftreten können. Gleichzeitig ist es so auch möglich, Entzündungen einzudämmen. Für die Behandlung mit Kälte eignen sich beispielsweise Eiswickel, Kühlpacks oder Kaltgas.
Mit der Hydrotherapie lässt sich die Wärmeregulation des Körpers über die Körperoberfläche durch (warmes oder kaltes) Wasser beeinflussen. Das macht den Körper unempfindlicher gegen äußere Temperaturreize wie Wärme und Kälte. Weitere positive Effekte auf die Gesundheit sind eine höhere körperliche Belastbarkeit, und Widerstandskraft gegenüber Infektionen oder schweren Krankheitsverläufen.
Wassertreten – im Storchengang durchs kalte Wasser
Eine beliebte Form der Hydrotherapie ist das Wassertreten. Wassertretbecken sind längliche Becken mit Handlauf und finden sich häufig in Saunalandschaften. Für den Kältereiz, der die Blutgefäße in den Beinen zusammenzieht, sorgt etwa 18 Grad kaltes Wasser. Für den gewünschten Effekt sollte das Wasser langsam gehend durchquert werden, bis der Kältereiz zu stark wird. Dabei ist es wichtig, Schritt für Schritt die Beine soweit aus dem Wasser zu heben, dass die Fußspitzen nach unten zeigen. Nachdem die Füße abgetrocknet und angezogen sind, erzeugen Gehen und leichte Fußgymnastik Wärme, wodurch sich die Gefäße wieder weiten. Auf Dauer trainiert dieser Wechsel zwischen Kalt und Warm die Gefäßwände und beugt so beispielsweise Krampfadern vor.
Die vielen therapeutischen Massageformen unterscheiden sich in den Grifftechniken und darin, in welchem Körperbereich sie angewendet werden. Bei einer Massage übt der Masseur Druck auf die Haut, das Bindegewebe, die Sehnen und die Muskeln aus. Dabei klopft, streicht, knetet oder reibt er die betroffene Körperpartie, um die Durchblutung, das Nerven- und Lymphsystem und die inneren Organe anzuregen, Verklebungen an Faszien zu lösen und verspannte Muskeln zu lockern. Bei manchen Massageverfahren setzen Therapeuten Geräte oder Hilfsmittel ein, zum Beispiel bei der Wassermassage. Dabei lenkt der Masseur einen Wasserstrahl auf die verspannten und schmerzenden Stellen.
Bei der Elektrotherapie befestigt der Therapeut Elektroden an den zu behandelnden Stellen. Durch diese leitet er Strom in den unterschiedlichsten Frequenzen. Diese Behandlung ist in der Regel schmerzfrei und der Strom – wenn überhaupt - nur als Muskelzittern oder Vibration zu spüren. Auch die Elektrotherapie eignet sich dazu, Muskelverspannungen zu lockern oder die Durchblutung zu fördern. Auch im Bereich der Herzgesundheit wenden Kardiologen die Elektrotherapie an, zum Beispiel bei der Defibrillation, um einen Menschen bei einem Herz-Kreislaufstillstand wiederzubeleben (zu reanimieren) oder bei der Katheterablation, um Herzrhythmusstörungen zu behandeln.
Menschen mit Neurodermitis profitieren oft von einer Lichttherapie mit ultraviolettem Licht. Dies gilt besonders, wenn sich die Beschwerden trotz entzündungshemmender Salben oder Cremes, guter Hautpflege und dem Vermeiden von Reizfaktoren nicht eindämmen lassen. Die Lichttherapie setzen Ärzte häufig bei der saisonal-abhängigen Depression ein, die auch als Winterdepression bekannt ist. Oft unterstützt die Lichttherapie auch den Schlaf-Wach-Rhythmus, wenn dieser aus verschiedenen Gründen, zum Beispiel einer Schlafstörung, aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Inhalationen mit Salzwasser oder ätherischen Ölen lindern Entzündungen der Atemwege oder Husten bei einer Erkältung oder Grippe. Diese Therapie lässt sich zu Hause mit einfachen Mitteln wie einem Kochtopf, heißem Wasser mit zugesetztem Salz oder ätherischem Öl und einem großen Handtuch für den Kopf umsetzen. Beim Inhalieren dringt der heiße Dampf über den Nasen-Rachen-Raum bis zum Kehlkopf und befeuchtet die Atemluft. Menschen mit Asthma therapieren diese Erkrankung der unteren Atemwege über einen Inhalator. Dieser enthält ein in Treibgas gelöstes Arzneimittel, das über einen Sprühstoß in die Bronchien gelangt und diese entspannt beziehungsweise erweitert. Dadurch fällt das Atmen wieder leichter.
Eine verminderte Beweglichkeit der Gelenke, wie sie bei einer Arthrose oder bei Wirbelsäulenbeschwerden vorkommt, wird mit Zug behandelt. Der Therapeut zieht dabei an Arm oder Bein, um die Flüssigkeit innerhalb des Gelenks besser zu verteilen. Bei dieser als Traktionstherapie bezeichneten Behandlungsform kommen häufig Schlingentische zu Einsatz. Die zu behandelten Körperteile werden in Schlingen befestigt, die wiederum über der Liege an einem stabilen Gerüst aufgehängt sind.
Welche Risiken bestehen bei der physikalischen Therapie?
Grundsätzlich sind physikalische Therapien nebenwirkungs- und risikoarm. Dennoch gibt es bestimmte Einschränkungen, die zwischen dem Patienten und dem Therapeuten im Vorfeld besprochen werden sollten. In bestimmten Fällen sollte eine physikalische Therapie dann nicht durchgeführt werden.
Eine Massage sollte beispielsweise generell nicht eingesetzt werden
- bei frischen Narben,
- Muskelrissen oder akuten Brüchen bis zur sechsten Woche,
- akuten Thrombosen,
- Krampfadern, Risikoschwangerschaften,
- starker Osteoporose,
- Fieber oder
- wenn Antikoagulanzien (sogenannte Blutverdünner) eingenommen werden.
Die Elektrotherapie ist für Menschen in der Frühschwangerschaft nicht geeignet, um das Ungeborene nicht zu schädigen. Menschen mit metallischen Implantaten oder Herzschrittmachern wird von dieser Therapieform ebenfalls abgeraten.
Auch von der Thermotherapie sind Menschen mit verschiedenen Erkrankungen ausgeschlossen. Die Wärmetherapie ist ungeeignet für Menschen mit
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose)
- fortgeschrittenen Krebserkrankungen
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
Bei einem akuten grippalen Infekt oder entzündeten Gelenken ist zudem ein Gang in die Sauna ungeeignet.
Veröffentlicht am: 15.02.2024
Das könnte Sie auch interessieren
Rückenschmerzen – Ursachen, Symptome und Behandlung
Herzrhythmusstörungen - Symptome, Ursachen und Behandlung
Asthma bronchiale - Ursachen, Symptome und Behandlung
Bluthochdruck frühzeitig erkennen und richtig behandeln
Herzinsuffizienz - Symptome, Therapie und Ursachen
Schilddrüsenüberfunktion - Symptome, Ursachen und Behandlung
Quellen
[1] Onlineinformationen des IQWiG (gesundheitsinformation.de). Physikalische Therapie. https://www.gesundheitsinformation.de/physikalische-therapie.html
[2] Onlineinformationen des IQWiG (gesundheitsinformation.de). Lichttherapie, Tabletten und Spritzen. https://www.gesundheitsinformation.de/lichttherapie-tabletten-und-spritzen.html
[2] Bundesamt für Strahlenschutz. Lichttherapie mit Tageslichtlampen. https://www.bfs.de/DE/themen/opt/anwendung-medizin-wellness/tageslichtlampen/tageslichtlampen_node.html
[3] Onlineinformationen des Walter de Gruyter Verlags (pschyrembel.online). Physikalische Therapie. https://www.pschyrembel.de/Physikalische%20Therapie/K0MEP
[4] Deutscher Verband für Physiotherapie (ZVK) e. V. Definition Physiotherapie. https://www.physio-deutschland.de/patienten-interessierte/physiotherapie/definition.html
Unsere Qualitätssicherung

„Innovation und Veränderung voranzutreiben und dadurch das Leben der Menschen besser zu machen, ist für mich ein großes Anliegen. Die Gesundheit unserer Kunden liegt mir sehr am Herzen, daher stehe ich mit meinem Team hinter dem Ratgeber.“
Als pharmazeutische Teamleitung innerhalb der pharmazeutischen Beratung unterstützt Sarah Handrischeck unser Unternehmen und unsere Kunden bei Fragen diverser Gesundheitsthemen. Die Ratgeber der SHOP APOTHEKE machen es möglich, kompaktes Apotheker-Wissen zu vermitteln und über wichtige Gesundheitsthemen aufzuklären.